Die große Unbekannte
29. Mai 2010Am gestrigen Freitag stand für die Hauptstadtläufer mit dem ‘Anhalt 2010′ das erste wichtige Meeting in der Freiluftsaison an. In den Wochen vor dem Meeting hatten Merlin Rose, Sebastian Dennis und Carsten Schlangen zwar schon an einigen lokalen Wettkämpfen wie den Berliner Staffelmeisterschaften oder dem Berliner Läufermeeting teilgenommen – dieses Mal ging es für die drei des Hauptstadtläufer ‘Team Elite’ aber zum ersten Mal auf die Paradestrecken. Die Ungewissheit war also wie immer zu Anfang der Saison groß und bei allen Läufern entstand im Kopf die Frage: Was habe ich drauf?
Sebastian Dennis überrascht
Für Sebastian Dennis war es nicht nur der erste richtige Formtest der Saison über die 1500m Distanz sondern auch ein Herantasten an die Welt der Spitzenleichtathletik. Sebastian startete im B-Lauf und musste somit vor seinen Teamgefährten ganz allein um 18.10Uhr an den Start gehen. In den letzten Wochen hatte Sebastian gut trainiert und er erwartete den Lauf mit großer Zuversicht.
Vermutlich war die gebündelte Aufregung aus den vielen Einzelfaktoren für den jungen Recken doch etwas zu viel. Bereits in der zweiten Runde baute Sebastian merklich ab und musste einige Läufer passieren lassen. Gegen Ende des Rennens konnte er zwar noch ein paar Plätze gutmachen, aber die Zeit war ihm davongerannt. Enttäuscht von der 3:58,03min wartete er auf dem Einlaufplatz auf seine erfahreneren Teamkollegen.
Merlin und Carsten wiederum hatten aufgeregt im Hotelzimmer gesessen und zueinander gesagt: Hoffentlich läuft der ‘Seppi’ gut – dann läuft es auch bei uns gut! Im Stadion angekommen erwartete die beiden ein sichtlich enttäuschter Sebastian. Der aus dem Lauf aber auch Motivation schöpfte.
„In Dessau habe ich mich schonungslos blamiert. Das is ja das Gute – ab jetzt wird es nur noch aufwärts gehen!" Sebastian Dennis
Merlin und Carsten gingen trotzdem beherzt ans Werk. Über die 800m Distanz lag Merlin sehr lange auf einer guten Angriffsposition. Durch ein kleines Gerangel nach etwa 400m ging ihm ein wenig Kraft verloren. Diese fehlte ihm auf den letzten Metern.
„Im letzten Jahr habe ich immer auf den letzten 200m geheult und bin nicht mehr richtig gelaufen. Jetzt waren es viel weniger Meter…und im nächsten Rennen vielleicht noch eine paar weniger…!" Merlin Rose
Carsten ging sein Rennen wie gewohnt mutig an. Gemeinsam mit Sebastian Keiner folgte er den Läufern an der Spitze des Feldes nur mit leichtem Sicherheistabstand. Nach einer recht flotten Eingangsrunde von etwa 56sec folgten leider zwei zu langsame Runden. Damit war das Vorhaben von Carsten – gleich im ersten Lauf die EM-Norm zu knacken – nicht mehr realistisch. Carsten war auf der Zielgeraden sichtlich ermüdet und verlor merklich an Tempo.
„Auf den letzten Metern war ich ziemlich fertig. Ich habe die erste schnelle Runde noch nicht so gut verkraftet. Ein paar schnelle Tempoläufe fehlen noch im Training. Ich konnte mich noch knapp vor Christoph Lohse ins Ziel retten. Insgesamt bin ich sehr zufrieden mit diesem Einstieg in die Saison. So schnell war ich in meinem ersten 1500m Rennen noch nie." Carsten Schlangen
Für die Hauptstadtläufer geht es schon am Mittwoch in Baunatal mit hoffentlich schnelleren Rennen weiter. Stay tuned!


Aus Trainingszwecken liefen Carsten und Sebastian eine Stunde später die klassische Meile. Carsten konnte den zweiten Sieg der Hauptstadtläufer an diesem Tag erlaufen. Wenig später belegte Merlin in 36,66 Sekunden abschließend einen zweiten Platz über 300m.
So wurde für das Rennen extra ein Tempomacher aus der eigenen Trainingsgruppe gestellt, der für Johannes und seinen Teamkameraden Koen Vandermarliere die ersten 1000m in 2:32 min. absolvieren sollte. Leider ließ sich Johannes direkt nach dem Start auf der Innenbahn einkeilen und der Zug samt Tempomacher lief ohne ihn davon. Nach kraftraubender Aufholjagd konnte Johannes zwar bei 1000m und einer Zwischenzeit von 2:34 min. aufschließen, hatte dann aber auf den letzten 500m nichts mehr zuzusetzen und musste sich auf die Verteidigung des dritten Platzes beschränken. Mit einer – angesichts dieser Renngestaltung – noch akzeptablen Zeit von 3:57 min. konnte Johannes wie bei den Universitären Crosslaufmeisterschaften im November eine Bronzemedaille auf Belgischem Terrain für die Katholische Universität Leuven gewinnen. Leider konnte er die Möglichkeit auf eine gute Zeit im Windschatten der beiden Erstplatzierten (Platz 1 für Ali Hamdi in 3:48 und Platz 2 für Koen Vandermarliere in 3:50 min.) nicht nutzen.