2. X-Stock in Rostock – Ein Gastbeitrag von Juliane Becker

Wir freuen uns, hier zum ersten Mal einen Gastbeitrag auf unserem Blog präsentieren zu können. Wir werden in Zukunft versuchen, weitere qualifizierte Schreiber aus den Mittel- und Langstreckendisziplinen hier unzensiert zu Wort kommen zu lassen. Hier also Juliane Becker – eine ausgezeichnete Cross-Spezialistin über den Verlauf des 2.X-Stock in Rostock.

Juliane BeckerAuf der Nudel-Party, die zum Abschluss eines sehr gelungenen Cross-Events für das leibliche Wohl aller beteiligten Läufer, Trainer, der Zuschauer und Helfer sorgte, bekam ich eine nette Anfrage der Hauptstadtläufer, als Gastschreibling einen „kurzen“ Nachbericht für ihre Seite zu verfassen. Als kleine Wiedergutmachung dafür, dass ich in keinem der beiden LG Nord-Teams integriert gelaufen bin, nahm ich gerne an…

Und so erinnere ich mich einige Tage nach dem Team-Cross im Norden Deutschlands an verschiedene Eindrücke, die ich für mich mitnehmen konnte.
Am frühen Morgen auf der Fahrt nach Rostock begann also die Tüftelei des „Team2008“ in der Besetzung Hagen Brosius, Sascha Stephan und mir als weibliche Unterstützung der Mannschaft über die bestmögliche Taktik. Schließlich sollte zumindest der 2. Platz vom letzten Jahr erreicht werden. Mit der Spekulation, dass Sascha gegen Carsten Schlangen bzw. Moritz Höft laufen würde und sich Hagen somit der Konkurrenz um Jonas Stifel und Norbert Löwa stellen musste, gingen wir dieses Vorhaben an. Es heißt ja bei Staffelwettbewerben nicht umsonst, dass ein ausgeglichenes Team mit einer guten Taktik auch gewinnbringende Chancen hat. Und der Cross wirft zudem mit seinen matschigen Passagen und zu überwindenden Hindernissen alles noch einmal über den Haufen.


Doch als Startläuferin hatte ich dieses Motto nach meiner ersten Runde wieder vergessen. Mit einem Gefühl, die zu bestreitenden 600m in einem 800m-Finale mitgespurtet zu sein, befand ich mich im Wechselbereich dennoch weit hinter den Führenden im schönen Mittelfeld wieder. Völlig außer Atem konnte ich unseren 3. Läufer Sascha nur kopfschüttelnd anschauen, als er mich fragte, ob ich unterwegs gestürzt wäre…. Ähhm, NEIN??! Doch zum Glück pendelte sich bereits nach der nächsten Runde, die Hagen für unsere Mannschaft ins Rennen ging, alles wieder ein. Unser aufstrebender Jungspund hatte mit seiner mittleren Position das vortreffliche Los gezogen, gegen die meisten Läuferinnen antreten zu dürfen, so dass Meter gut gemacht werden konnten und alle Optionen wieder offen waren.

Mit diesem guten Gewissen kam ich immer besser ins Laufen rein und konnte es mehr um mehr genießen, mich für insgesamt 10 Mal gegen starke Läufer auf die Strecke zu begeben. Wer weiß nicht gern schnelle Männer hinter sich im Feld, die man versucht so lange wie möglich in Schach zu halten. Und wenn dann noch ein Moritz Höft einen charmant auf längerem Wege überholt, obwohl er innen like Nils Schuhmann die Lücke hätte nutzen können, versucht man als Frau schon mal Unmögliches. In diesem Fall hieß das, den Abstand zu Deutschlands neuen 800m-Meister nicht allzu groß werden zu lassen. Doch halt! Bedeutete diese Überholung eigentlich gleichzeitig die Abgabe unserer Führung, die wir nach ungefähr der Hälfte stetig erweitern hatten?? In meiner ca. 3:20min langen Pause, die ich mit dem Trinken warmen Tees aus den bereit gestellten Kannen und etwas umhertraben überbrückte, klärte Norbert mich auf; nach anfänglich immer 2 gelaufen Runden, sprich 1200m, hatten beide LG Nord-Teams an Zeit eingebüsst und befänden sich nun auf den Plätzen 5 bzw. 7. Puuuhhh… Das soll jetzt nicht gemein klingen. Doch so kurz vor dem Sieg und meinem kleinen Eingeständnis, dass ich zumindest einmal behaupten kann, einen Hauptstadtläufer geschlagen zu haben, sollte nichts mehr schief gehen. Das tat es dann auch nicht und unser Schlussläufer Sascha überquerte, ohne über das letzte Hindernis in Form eines quer gelegten Baumstammes zu stolpern, die Ziellinie vor den Mannschaften um das „Lang-und-Lauf-Team“ und die Rostocker „Wadenbeißer“. Ein anschließendes Tänzchen zu den gespielten 90er-Jahre-Hits um Dr. Alban´s „It´s my life“ fiel zugunsten der heiß begehrten Nudel-Ess-Orgie aus, so dass sich hier auch der Kreis wieder schließt.

Zum Abschluss als symbolisches Trostpflaster“ bleibt vielleicht die genugtuende Aussage unseres Trainers Olaf Beyer, der eine Platzierung seiner betreuten „Team2008“-Athleten HINTER den Hauptstadtläufern prognostiziert hatte…

Herzlichen Dank an Juliane Becker von allen Hauptstadtläufern.

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